Sommerzeit ist Urlaubszeit – die 10 häufigsten Fragen zum Urlaubsanspruch

1. Mai 2018
Sommerzeit ist Urlaubszeit – die 10 häufigsten Fragen zum Urlaubsanspruch

Damit sich der Arbeitnehmer nicht nur am Wochenende vom Arbeitsalltag erholen und neue Energie tanken kann, steht diesem laut dem Bundesurlaubsgesetz ein jährlicher Mindesturlaub zu. Leider sind sich die wenigsten über ihre diesbezüglichen Rechte und Pflichten im Klaren. Da es jedoch auch seitens des Arbeitgebers jederzeit zu Fehlern oder Missverständnissen kommen kann, ist es wichtig, die Rechtslage zu kennen um im Zweifelsfall sein Recht einfordern zu können.

Das sollten Sie über Ihren Urlaubsanspruch wissen

Wir informieren über die 10 häufigsten Fragen zum Thema Urlaubsanspruch und zeigen Ihnen, was dem Arbeitnehmer zusteht und wie viel Spielraum der Arbeitgeber hat. Da wir von Jobprofile keine Rechtsberatung vornehmen dürfen, sind alle diesbezüglichen Informationen als Hinweis oder Anregung zu verstehen.

1. Wert hat Anspruch auf Urlaub und ab wann?

Hier ist die Rechtslage eindeutig: jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub (§1 BurlG). Dazu zählen sowohl unbefristete als auch befristete Angestellte sowie Auszubildende, Volontäre und arbeitnehmerähnliche Personen. Werkstudenten, Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte haben ebenso einen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Den vollen Urlaubsanspruch erwirbt der Arbeitnehmer allerdings erst nach dem sechsmonatigen Bestehen des Arbeitsverhältnisses. Innerhalb dieser sogenannten Wartezeit hat er, entgegen einer unter Arbeitgebern verbreiteten Ansicht, monatlich Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs (§5 BurlG).

2. Wie viele Urlaubstage muss der Arbeitnehmer gewähren?

Laut dem Bundesurlaubsgesetz muss der Arbeitnehmer einen Jahresurlaub in Höhe von mindestens 24 Werktagen gewähren (§3 Abs. 1 BurlG). Diese Norm basiert allerdings auf einer 6-Tage-Woche. Da in Deutschland in der Regel inzwischen eine Arbeitszeit von 5 Tagen pro Woche vorgesehen ist, muss der Urlaubsanspruch entsprechend angepasst werden. Demnach hat der Arbeitnehmer einen jährlichen Urlaubsanspruch von mindestens 20 Werktagen, also 4 Wochen pro Jahr. Arbeitnehmer, die weniger als 5 Tage pro Woche arbeiten, berechnen ihren Urlaub auf Grundlage der 6-Tage-Woche mit der Formel: 24 : 6 × (Arbeitstage pro Woche). Sofern tarif- oder individualvertraglich keine anderen Regelungen getroffen wurden, hat der Arbeitgeber die Pflicht, diesen Urlaub zu gewähren. Bei dieser Berechnung spielt die Arbeitszeit, anders als bei der Berechnung des Urlaubsentgeltes, keine Rolle.

3. Woran orientiert sich die Höhe des Urlaubsentgeltes?

Der Arbeitnehmer hat in Deutschland nicht nur Anspruch auf Urlaub, sondern muss diesen auch bezahlt bekommen. Das heißt, der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer unter Fortzahlung seines Arbeitsentgeltes von der Arbeit freistellen. Während dieser Zeit richtet sich die Höhe des fortzuzahlenden Arbeitsentgeltes nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, der in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erzielt wurde. Probleme können hier nun bei Werkstudenten oder geringfügig Beschäftigten auftreten, da diese oft eine unregelmäßige Anzahl an Wochenstunden leisten. Hier werden zur Berechnung des Urlaubsentgeltes die durchschnittlich geleisteten Stunden der letzten 13 Wochen mit dem vereinbarten Stundenlohn multipliziert. Das Produkt dient als Grundlage für die Berechnung des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes.

4. Muss der Arbeitnehmer nicht in Anspruch genommene Urlaubstage finanziell abgelten?

Nein, grundsätzlich muss der Arbeitnehmer nicht genommene Urlaubstage nicht finanziell abgelten. Dies wird nur dann zur Pflicht, wenn Urlaubstage wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht gewährt werden können. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber innerhalb eines bestehenden Arbeitsverhältnisses keinen finanziellen Ausgleich für nicht in Anspruch genommene Urlaubstage erbringen muss.

5. Darf der Arbeitnehmer einen längeren Urlaub einfach ablehnen?

Generell sieht das Bundesurlaubsgesetz vor, dass zusammenhängender Urlaub nicht durch den Arbeitnehmer abgelehnt werden kann – das heißt, ein längerer Urlaub muss gewährt werden. Allerdings gibt es einige Ausnahmefälle, in denen dieses Recht seitens des Arbeitnehmers entfällt. Dieser Fall tritt beispielsweise ein, wenn dringende betriebliche Gründe die Ablehnung eines zusammenhängenden Urlaubs rechtfertigen. Solche Gründe können Personalengpässe sein, die entweder saison- oder krankheitsbedingt auftreten können. Ein weiterer Grund, der die Ablehnung eines längeren Urlaubs rechtfertigt, sind Urlaubswünsche von Kollegen, welche den eigenen entgegenstehen können. Um festzustellen, welcher Arbeitnehmer bei Verteilung des Urlaubs bezüglich seiner Urlaubswünsche Vorrang hat, sind verschiedene soziale Aspekte seitens des Arbeitgebers zu berücksichtigen. Solche können zum Beispiel die Dauer der Betriebszugehörigkeit, Ferienzeiten schulpflichtiger Kinder, der Gesundheitszustand und die dadurch bedingte, eventuelle Erholungsbedürftigkeit des Arbeitnehmers und der Urlaub des Ehegatten sein.

6. Darf der Arbeitnehmer bereits genehmigten Urlaub widerrufen?

Die Rechtslage ist hier eindeutig: Arbeitgeber dürfen bereits genehmigten Urlaub nur mit Einverständnis des betreffenden Arbeitnehmers widerrufen. Eine einseitige Widerrufung seitens des Arbeitgebers ist nicht möglich.

7. Was, wenn ich im Urlaub krank werde?

Im Urlaub zu erkranken ist schon schlimm genug, aber dann auch noch Urlaubstage einbüßen? So geht das nicht! Hier ist das Bundesurlaubsgesetz eindeutig: im Falle einer Erkrankung während des Urlaubs dürfen die Tage der Arbeitsunfähigkeit nicht vom Jahresurlaub abgezogen werden. Voraussetzung für die Geltung dieses Rechts ist jedoch die unverzügliche Information des Arbeitgebers über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer durch den Arbeitnehmer. Befindet sich dieser zum Zeitpunkt der Erkrankung im Ausland, hat er darüber hinaus die Pflicht, dem Arbeitgeber die Adresse seines Aufenthaltsortes mitzuteilen. Eine Krankschreibung durch den behandelnden Arzt ist allerdings erst unverzüglich nach Rückkehr ins Inland beim Arbeitgeber einzureichen. Ob Erkrankung im In- oder Ausland – neben dem Arbeitgeber muss in jedem Fall die verantwortliche Krankenkasse informiert werden.

8. Muss ich im Urlaub für meine Kollegen erreichbar sein und kann mein Chef mich an meinen Arbeitsplatz zurückbeordern?

Sonne, Strand, Meer – und die ständige Angst, dass jeden Moment das Handy klingelt und Sie sich unverzüglich in den nächsten Flieger setzen und zurück an den Arbeitsplatz begeben müssen? Dieses Szenario entstammt höchstens Ihren Albträumen, denn das Recht verlangt eindeutig, dass der Arbeitnehmer zur wirksamen Urlaubserteilung unwiderruflich von seiner Arbeitspflicht befreit sein muss. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer weder dazu verpflichtet ist, dem Arbeitgeber seine Urlaubsanschrift mitzuteilen noch von diesem zur Arbeit zurückgerufen werden kann. Ähnlich wie beim Widerruf von erteiltem Urlaub ist hier nur eine einvernehmliche Aufhebung des Urlaubs rechtens.

9. Hochzeit, Geburt, Familienfeier – habe ich ein Recht auf Sonderurlaub?

Grundsätzlich ist die Hochzeit der besten Freundin oder des Nachbarn kein zwingender Grund für den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer Sonderurlaub zu gewähren. Anders ist die Sachlage jedoch bei familiären Ereignissen, die sich durch Außergewöhnlichkeit auszeichnen. Solche Ereignisse können zum Beispiel die Geburt des eigenen Kindes, die eigene Hochzeit oder Todesfälle naher Angehöriger sein. Generell ist dieser Anspruch im Einzelfall zu prüfen. Beim eigenen Umzug müssen beispielsweise die näheren Beweggründe berücksichtig werden.

10. Kann ich Urlaubstage über einen längeren Zeitraum ansparen und mir dann eine Auszeit vom Job nehmen?

Ein Jahr durcharbeiten und dafür 8 Wochen Urlaub im Folgenden? Das ist leider nicht möglich! Das Bundesurlaubsgesetz sieht hier vor, dass der Arbeitnehmer den Jahresurlaub auch im laufenden Kalenderjahr nehmen muss. Eine Übertragung des Urlaubes, beispielsweise im Falle der Nichtinanspruchnahme von Urlaubstagen, ist maximal bis zum 31.03. des Folgejahres möglich. Die Nichtinanspruchnahme ist in diesem Fall allerdings durch dringende betriebliche oder persönliche Gründe zu rechtfertigen. Solche Gründe können beispielsweise eine längere Krankheit oder Personalengpässe innerhalb des Unternehmens sein. Wie bei jeder gesetzlichen Regelung gilt: der Arbeitgeber kann einvernehmlich mit dem Arbeitnehmer einen abweichenden Übertragungszeitraum vereinbaren. Solche Änderungen sollten in jedem Fall schriftlich festgehalten werden.

Nutzen Sie unseren Blog zu Ihrem Vorteil und informieren Sie sich jetzt

Sie sind sich nun über Ihre Rechte bezüglich des Urlaubsanspruches als Arbeitnehmer im Klaren? Dann haben wir unser Ziel erreicht! Zudem helfen wir Ihnen gerne, Ihren passenden Job zu finden. Kontaktieren Sie uns einfach – wir freuen uns auf Sie.

Sie können sich ebenfalls in unserem Blog zu ähnlichen hilfreichen Themen informieren, z. B. welche Fragen, die Sie beim Bewerbungsgespräch nicht stellen sollten oder auf Aspekte beim Background Check zu beachten sind.

Kontakt

×
Diana Kullmann

Personalberaterin

jobprofile GmbH, Ostra-Allee 35, 01067 Dresden, Tel.: 0351-8295825, E-Mail: kullmann@jobprofile.de
×
Christina Stuhlberg

Personalberaterin

jobprofile GmbH, Ostra-Allee 35, 01067 Dresden, Tel.: 0351-8295823, E-Mail: stuhlberg@jobprofile.de
×
Franziska Nemeth

Personalberaterin

jobprofile GmbH, Ostra-Allee 35, 01067 Dresden, Tel.: 0351-8295824, E-Mail: nemeth@jobprofile.de

 
×
Christin Hamann

Personalberaterin

jobprofile GmbH, Teutonengasse  01067 Dresden, Tel.: 0351-8295826, E-Mail: hamann@jobprofile.de
×
Thomas Thiem

Geschäftsführer

jobprofile GmbH, Ostra-Allee 35, 01067 Dresden, Tel.: 0351-8295826, E-Mail: thiem@jobprofile.de
×
Sven Pilz
 

Bersonalberater

jobprofile GmbH, Ostra-Allee 35, 01067 Dresden, Tel.: 0351-8295825, E-Mail: pilz@jobprofile.de
×
Sandy Müller
 

Personalberater

jobprofile GmbH, Ostra-Allee 35, 01067 Dresden, Tel.: 0351-8295825, E-Mail: mueller@jobprofile.de
×
Kontakt